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Kommentar

Wie Emergenza Bands kaputt macht

Ich habe mich ja in der Vergangenheit schon öfter über Contests ausgelassen. Z.B. Vor knapp 2 Jahren mit „Warum Contests die Szene zerstören„. In dieser Zeit hat sich aber nichts geändert und ich muss mich dem Thema nochmal annehmen, denn es reicht nicht mehr einfach nur auf den alten Artikel zu verweisen. Der Anlass dieses mal ist die Vorrunde des Emergenza Contests im Kupferdächle am 28.2.2015. „Gewonnen“ haben den Vorentscheid Quota, wenn man hier von gewinnen sprechen will. Ich habe mit Besuchern, Teilnehmern und Bands die bewusst nicht teilgenommen haben gesprochen und so Informationen eingeholt, schreibe also nicht einfach nur ins Blaue hinein.

Professionalisierte Ausbeutung

Das Bands Tickets vom Veranstalter abkaufen müssen wenn sie spielen wollen ist inzwischen leider weit verbreitet, beim Emergenza sind es ganze 100 (!!!) Tickets die jede Band verkaufen muss, tun sie es nicht müssen sie sie trotzdem bezahlen. *(siehe Update ganz unten)  Aber die Abzocke beginnt schon viel früher. Will eine Band überhaupt erst antreten muss sie einen Gig „buchen“ für 75,-€ (bucht man online sind es „nur“ 69,-€) – nur um überhaupt antreten zu dürfen! Bands müssen also erstmal kräftig bezahlen, bekommen nur minimal Geld durch den Ticketverkauf, müssen auch die Anfahrt etc. selbst bezahlen.. teilweise waren das 50km und mehr. Dass diese Bands mit so weitem Anfahrtsweg auch kaum Tickets verkauft bekommen muss wohl nicht erwähnt werden. Aber der Veranstalter erspart sich so Kosten für Werbung und Ticketverkauf. Damit haben die Macher des Emergenza-Contest die Ausbeutung von Bands professionalisiert.

Die Backline und die Technik sind durch Sponsoren finanziert und auch mit den Locations gibt es Kooperationen, sodass die Veranstaltungen hier mit sehr geringen Kosten durchgeführt werden können. Im Kupferdächle fand der Contest im kleinen Saal im Keller statt, der sowieso schon quasi nichts kostet.

Überschlägt man das alles mal im Kopf, mit den 9,-€ (VVK) bzw 11,-€(AK) kommt da eine ganz schöne Summe zusammen die sich die Emergenza-Veranstalter da in die Taschen stopfen können.

Play like a Star

So stellen sich die Veranstalter des Contests die Sache vor, propagieren sie auch so. Aber die Bedingungen dafür sind alles andere als würdig für die Bands. Nehmen sie die Kosten und den Haufen Arbeit auf sich um tatsächlich teilzunehmen, bekommen sie dann 30 Minuten Bühnenzeit – inklusive Auf- und Abbau! Jeder der mit einer Band schonmal auf der Bühne stand weiß, dass man bis alles so weit eingerichtet ist locker 10-15 Minuten vergehen – und das ist dann schon schnell. bleiben also noch 15 Minuten um Musik zu machen. Und Abzubauen.

Dabei soll man als Band dann seine beste Leistung zeigen und Publikum sowie Jury (von deren Besetzung ich hier garnicht anfangen will) von sich überzeugen, was aber dank Zeitdruck und Equipment so gut wie unmöglich ist. Dass manche Bands hier trotzdem wirklich gute Leistungen abliefern ist ihnen wirklich sehr sehr hoch anzurechnen!

Und wenn, wie in Pforzheim, zwei eine der geplanten 5 Bands absagent, ist der Veranstalter natürlich auch gnädig und gibt den Bands etwas mehr Bühnenzeit. Sogar ohne mehr Geld dafür zu verlangen.

Aber auch das Publikum wird nicht geschont. 9€ Eintritt kostet die Vorrundenveranstaltung im Vorverkauf, 11,-€ an der Abendkasse. Generell bin ich dafür dass auch Junge Bands nicht unter wert verkauft werden, aber in diesem Fall erhalten die Bands keinen einzigen Cent (bis auf einen kleinen Prozentsatz bei den Tickets die sie selbst verkaufen). Keine Location in würde sich trauen mehr als 5,-€ für ein solches Konzert zu verlangen, weil sonst Keiner kommen würde… Aber ein paar Zuhörer konnten die Bands immerhin aktivieren ins Kupferdächle zu kommen, eben den Freunden die in der Band spielen zuliebe.

„Ihr könnt in zwei Stunden wieder kommen…“

„… vor 8 fangen wir nicht an weil zwei Bands abgesagt haben“ – Das bekamen die Besucher dann vom Veranstalter dann zu hören die um 18 Uhr (Einlasszeit laut Plakat nach Aussage der Besucher) vor dem Kupferdächle standen. Sie hatten sich auf fünf Bands gefreut und dafür neun Euro für die Karte im Vorverkauf bezahlt. Stattdessen wurden sie unfreundlich weggeschickt, immerhin transparent waren die Veranstalter hier. Wer sich davon nicht abschrecken lies, oder die Karte eben schon gekauft hatte, bekam dann drei vier Bands zum Preis von fünf. Mal davon abgesehen dass eine Band die sich nie angemeldet hatte auf den Plakaten stand, das dann in der Facebookveranstaltung 2 Tage vor dem Termin geändert wurde und am Samstag als kurzfristige Absage dargestellt wurde. Hier wurde also der Ruf der Band geschädigt, denn Bands die kurzfristig absagen mag niemand, aber in diesem Fall haben sie garnicht abgesagt, weil sie ja nie zugesagt hatten! Das nimmt man beim Emergenza aber gerne in Kauf, schliesslich wissen nur die Emergenza-Macher, was gute Musik ist und wer nicht bei ihnen mit macht, macht eben keine gute Musik und verdient auch keinen Erfolg.

„Das ist das Musikbusiness“

Das Krude an der Sache ist ja, dass die teilnehmenden Bands in „Workshops“ von Emergenza eingetrichtert bekommen, dass dies eben das Musikbusiness sei und man eben anders nicht erfolgreich sein kann. Viele sind so naiv und glauben das tatsächlich auch noch. Aber genau das ist NICHT das Musikbusiness! Contests wie Emergenza machen die Szene kaputt, sie zerstören musikalische Vielfalt und Kreativität, fördern den Einheitsbrei den sie dann dem Mainstream-Publikum zum Fras vorwerfen können. Emergenza macht die Bands kaputt, nicht Facebook wie manche behaupten.

Aber nicht alle Contests sind Böse, oder?

Nicht alles, was beim Emergenza schief läuft wird auch bei anderen Contests so praktiziert. Der SPH Bandcontest hat ein bisschen einen anderen Ansatz, brüstet sich damit „von Musikern für Musiker“ gemacht zu sein. Aber das grundsätzliche Problem bleibt. Bands müssen für lau spielen, müssen Tickets verkaufen, treten in einen Wettstreit mit anderen und müssen massentaugliche Musik machen um überhaupt eine Chance zu haben. Das alles braucht die Musik nicht. Musik braucht keinen Wettstreit, sondern gegenseitige Anerkennung und Respekt. Musik braucht keinen Einheitsbrei sondern Kreativität, Vielfalt und Neue Klänge. Musik braucht Veranstalter die sie wertschätzt, die Bands engagieren wie es sich gehört, die junge Bands fördern und gerecht bezahlen!

Macht da nicht mit!

Mein Aufruf an alle Bands: Macht da nicht mit! geht nicht zu solchen Contests! egal ob es regionale sind, wie der Music Contest Nordschwarzwald, oder dir großen Maschinerien wie Emergenza, das ist eine Musikmafia die nur an sich und den eigenen Geldbeutel denkt, nicht an euch Bands! Widersteht der Verlockung des Gigs. Auch wenn es mehr arbeit ist: organisiert lieber eure eigenen Konzerte. Davon habt ihr mehr! (Bei der Werbung für eure Konzerte unterstütze ich euch gern 😉 )

Das System kann nur gestürzt werden, wenn wirklich Keiner (!) mehr dabei mitmacht! Ihr alle habt es in der Hand, die Welt hier wieder ein Stück besser zu machen. Zumindest die Musikwelt.

Und noch eine Bitte habe ich an euch: teilt diesen Beitrag mit euren befreundeten Bands und Musikern und verbreitet ihn, keiner soll sich mehr ausbeuten lassen!

Update 21.03.
*Zitat Andrea Petricca (CEO Emergenza) zur Ticketabnahme:
Im Emergenza-Teilnahme-Vertrag steht ganz klar, dass:
1. die Band NICHT zum Vorverkauf verpflichtet ist
2. nur die tatsächlich verkauften Karten abgerechnet werden. Alle nicht verkauften Tickets können jederzeit bedingungslos und kostenlos zurückgegeben werden.

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Last Judgement – Das Jüngste Gericht für den Bottich

Es ist vorüber, das Kapitel „Bottich“ in der Livemusik-Geschichte in Pforzheim. Der Subkultura e.V. hatte hier 3 Jahre lang seine Haupt Wirkungsstätte und hat den Keller des Rathauses zu einer Institution für Konzerte gemacht.

todesanzeigeGestern wurde gebührend Abschied genommen, auch wenn weniger „Trauergäste“ dawaren als ich erwartet hatte. The Rump Shaking Rider Crew, King Chrome und Tieflader haben den Abend mit Metal vom feinsten zelebriert. Und so hoffe ich dass die wenigen live-Locations die wir noch haben wieder mehr Konzerte veranstalten und die Lücke die gerissen wird nicht allzu groß bleibt. Dass wir zu wenige Läden in Pfozheim haben, wo Konzerte stattfinden ist ja schon zu genüge gesagt worden.

Farewell Bottich!


Reaktion auf den Contest-Rant

Nachdem ich den reißerischen Artikel über Bandcontests geschrieben hatte, war es erstmal recht ruhig. Aber gestern kam dann doch eine Reaktion und zwar von Hannes, der im Happiness-Organisationsteam sitzt. In Absprache mit ihm will ich euch diese nicht vorenthalten:

Hi Frederik!
Ich finde deinen Artikel über Bandcontest sehr gut und auch weitgehenst treffend.

Man muss aber dazu sagen das die Bands nicht darum betteln bei uns mitzumachen. Es handelt sich um gewöhnliche Bewerbungen. Wir sammeln diese und losen einen regionalen Teil für den Bandcontest aus. Der Rest macht beim Voting mit wenn er will. Natürlich bringt uns das Voting likes auf der Page, kann man ja nicht abstreiten. Beim Bandcontest wird die Reihenfolge der Bands ausgelost, da leider am frühen Abend noch nicht so viele Leute da sind.

(mehr …)


Warum Contests die Szene zerstören

Der Happiness-Bandcontest vom letzten Wochenende ist nicht der alleinige Grund für diesen Artikel, aber er hat mich dazu bewogen dies zu schreiben da er symptomatisch und beispielhaft für das ist was in der Underground-Szene in den letzten Jahren passiert.

[WARNUNG: Dieser Artikel kann provozierende, extreme und überspitze Formulierungen enthalten] (mehr …)


Respekt, liebes VISIONS!

Die Deutsche Rockszene hat nach dem selbstinszenierten Heino-Rocker-Krieg  endlich mal wieder richtigen Gesprächsstoff. Nachdem das With Full Force Festival angekündigt hat, dass Frei.Wild bei ihnen spielen werden hat das VISIONS Magazin den Sponsoring Deal gecancelt. Und das nach jahrelanger Partnerschaft. Meiner Meinung nach zurecht.

+++UPDATE+++ gerade als ich fertig geschrieben hatte haben auch JÄGERMEISTER und FESTIVALGUIDE das Sponsoring des WFF beendet.

Ich habe in letzter Zeit häufig mit Frei.Wild Fans geredet und diskutiert. Die häufigste Aussage dabei war „Ich höre die Band wegen der Musik, nicht wegen der Texte“ das lasse ich mir dann auch gefallen. Aber Trotzdem muss ich Frei.Wild, wofür sie stehen und die Parolen die sie verbreiten, nicht gutfinden. Genau das ist es, was so schlimm ist an Frei.Wild. Nicht ob sie selbst nun Nazis sind oder nicht, sondern die Parolen die Sie und die Fans zu tausenden immer wiederholen. Es sind exakt die gleichen Parolen wie bei der NPD, und sind die Jugendlichen erstmal „infiziert“ damit oder haben sie schon verinnerlicht, dann sind sie natürlich begeistert wenn es eine Partei gibt, die den gleichen Bullshit skandiert. Die Grenze zwischen Nazi und kein-Nazi ist bei Frei.Wild sehr sehr verwaschen, der übergang ist fließend. Sicher gibt es viele die keine Nazis werden, auch wenn sie Frei.Wild hören, und keiner wird nur wegen Frei.Wild Nazi, aber sie tragen doch einen erheblichen Teil dazu bei durch ihre Popularität. Dazu kommt dass Frei.Wild aus Südtirol kommen, und die Minderheiten-Parolen dort vielleicht nett nostaligisch sind, hier in Deutschland ist es ganz klar nationalistisch.

Liebend gerne hätte ich die Reportage über Frei.Wild aus der ZDF Sendung aspekte hier verlinkt, aber genau dieser Beitrag und die Sendung vom November wurden aus der Mediathek genommen. Aber Youtube machts möglich 😉

Nun zurück zum VISIONS und dem With Full Force. Ich finde es gut dass das VISIONS das Festival in diesem Jahr nicht „präsentiert“, und zwar weil es wichtig ist Zeichen gegen rechts zu setzen, und wenn die Redaktion für sich beschlossen hat das anhand von Frei.Wild zu tun finde ich das legitim. auch was Ronny auf Kraftfuttermischwerk dazu schreibt kann ich so unterschreiben.

Gerade die Reaktionen darauf, besonders von den Frei.Wild Fans zeigen dass hier irgendwas im Argen liegt. Egal wer etwas gegen Frei.Wild oder in diesem Fall pro VISIONS sagt wird angefeindet und mit den Ewig gleichen Parolen beworfen und die Band wird verteidigt als ginge es um das eigene Kind.

Ich bin ein toleranter Mensch, das einzige was ich überhaupt nicht abkann sind Nazis bzw Nationalismus da dies einfach jeglicher Intelligenz und allen meinen Überzeugungen widerspricht. Deshalb halte ich diesbezüglich auch nicht mit meiner Meinung zurück.

P.S.: In Pforzheim kann man am 23.02. seine Meinung kundtun, „Fackeln aus! Pforzheim setzt zeichen“ heißt es wieder, gegen die Mahnwache der Nationalsozialisten, für ein Nazifreies Pforzheim, und gegen Geschichtsverherrlichung


Nothing has changed

In einem meiner aller ersten Artikel hier auf dem Blog habe ich mich schon mit dem Problem des Rock/Metal in Pforzheim auseinandergesetzt. Das Problem der mangelnden Information sollte heute eigentlich nicht mehr bestehen, da inzwischen wirklich jeder bei Facebook ist und sich Veranstaltungen darüber schnell weit verbreiten lassen. Trotzdem hat sich nicht viel geändert in den letzten zwei Jahren wenn ich mir den Blogpost so anschaue. Ok, es gibt inzwischen wieder mehr Konzerte und Veranstaltungen, die Szene scheint wieder zu wachsen. Und Ich dachte dass auch die „Vernetzung“ und Kommunikation besser geworden ist. Aber die jüngsten Geschehnisse zeigen dass doch vieles noch im argen liegt. (mehr …)


Das GUTE TOENE LineUp – Meine Meinung dazu

Die GUTE TOENE- Crew hat also gestern das LineUp für das diesjährige GT-Festival bekanntgegeben. Nur die Voting-Gewinner fehlen noch. Hier mal die Bands soweit:

Aber was soll uns diese Bandauswahl sagen? Außer Auletta hatte ich keinen der Namen vorher schonmal gehört oder gelesen, aber zum Glück stellen die GTler gleich zu jeder Band ein Video auf ihre Seite, weil ich wahrscheinlich nicht der einzige bin, dem es so geht. (mehr …)